Gefallene des 2. Weltkrieges - Martin Klein: Ein einzelnes Schicksal stellvertretend für alle:
der lange Marsch nach Ssinjawino.
Eine Sammlung von Informationen zu einem brutal beendeten jungen Leben eines Mondorfers.
Dank an Leni Klein in Mondorf und Anne Küpper in Müllekoven!

Diverses



21. Infanterie-Division: Einsätze 1940-43
21. Infanterie-Division:

Einsätze der 21. Inf.-Div. von 1940 bis zum Tod Martins.



Eindrücke:
Die Schriftstücke hier geben einen Eindruck davon wieder, welches Leid, welche Unsicherheit damals herrschten. Handgeschriebene Zettelchen ohne Unterschrift, trockene Verwaltungsakte, lapidare Mitteilungen "wenn wir etwas wissen, erfahren Sie mehr" usw. machen einen beim Lesen beklommen. Immerhin gibt es auch einen handgeschriebenen Brief.


Erste Benachrichtigung:
Erste Benachrichtigung

Erste Benachrichtigung an die Familie

Erste Benachrichtigung Text:
Erste Benachrichtigung Text

Erste Benachrichtigung an die Familie - Text



Zweite Benachrichtigung:
Zweite Benachrichtigung

Zweite Benachrichtigung an die Familie, offenbar nach Nachfrage des Vaters.
(Brief optisch etwas zusammengefasst)





Dritte Benachrichtigung:
Letzte Benachrichtigung

Letzte Benachrichtigung an die Familie.
(Brief optisch etwas zusammengefasst)



WASt Information:
WASt Information

WASt Informationen über Martin Klein



Die 21. Infanterie-Division im
Frankreich-Krieg 1940
Der Frankreich-Krieg 1940

Der Weg der 21. Infanterie-Division im Krieg gegen Frankreich 1940 - Bild: Dank an Google Earth



Mondorf - Marienburg
Mondorf-Marienburg

Mondorf - Marienburg - Bild: Dank an Google Earth



Marienburg - Ssinjawino
Marienburg-Ssinjawino

Marienburg - Ssinjawino - Bild: Dank an Google Earth



Aus russischer Sicht:
Ladoga News 2013

Die Ereignisse im Januar 1943 aus russischer Sicht: Die Zeitung Ladoga News im Jahr 1913: Dank an Ladoga News.

Freie Übersetzung etwa: "Bei dem Gegenangriff am 18. Januar 1943 durchbrachen die russischen Truppen aus Leningrad und von der Wolchow Front die Blockade bei den Dörfern Nummer 1 und Nummer 5. Der nachfolgende Angriff von den Mooren aus auf die vom Feind besetzten Sinjawino-Höhen war nicht erfolgreich. Es wurden jedoch Einzelerfolge erreicht. Insbesondere die Divisionen der 2. Stossarmee besetzten Teile des Gebietes östlich des Dorfes Sinjawino und südlich der Arbeitersiedlung Nummer 7 und schufen einen breiten und tiefen Einbruch in die gegnerische Verteidigung. Der Keil war an der Spitze etwa 2 km breit und war etwa 1,5 - 2 km tief. Dies ermöglichte einen Angriff auf die Stadt Mga unter Umgehung des Höhenknotens Sinjawino und sollte die Möglichkeit bieten, die Deutschen einzukesseln. Das deutsche Oberkommando kämpfte gegen diese Situation. Der Fortschritt des Kampfes im Südosten von der Siedlung Nummer 7 wird im deutschen Kriegsbericht der Heeresgruppe Nord nicht erwähnt. Die schweren Kämpfe um tieferes Eindringen fanden bis Februar 1943 statt. Allerdings scheiterte die Eroberung der Stadt Mga und die Einkesselung der deutschen Truppen."



Ich möchte hier das Schicksal eines jungen Mondorfers im zweiten Weltkrieg vorstellen. Er hat den zweiten Weltkrieg, wie viele Mondorfer, nicht überlebt. Ich bin dankbar für die Mithilfe einiger Verwandter. Ich bin mir aber bewusst, dass ich hiermit auch in den inneren Bereich einer Familie eindringe, von der ja noch einige Verwandte leben. Sollte jemand nicht mit der Darstellung hier einverstanden sein, bitte ich um eine Nachricht, und ich werde sofort Änderungen vornehmen. Nachricht an Roland Klinger

Sollte jemand, der diese Seiten liest, über weitere Informationen verfügen und sie mir zugänglich machen wollen, so erbitte ich auch Nachricht.

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Die Geschichte dieser Seite beginnt mit einer Mondorfer Ansichtskarte, die ich in einer Internetauktion gesehen hatte. Sie zeigt das Gasthaus Link und eigentlich hatte ich sie schon als unbenutzte Karte in meiner Sammlung. Ich habe sie dennoch ersteigert, weil sie postalisch benutzt war.

Ich hatte die Entstehung der Karte bisher auf etwa 1955 geschätzt. Hier war sie jedoch schon 1940 benutzt worden, also wohl noch vor dem Krieg entstanden, wahrscheinlich unmittelbar nach dem Umbau des Hauses und der Wiedereröffnung des ehemaligen Gasthauses Kelz als Gasthaus Link.
Sie war adressiert als Feldpost an einen Martin Klein mit der Feldpostnummer 12087 D und in Mondorf gestempelt am 1(?).10.1940.

Der Text lautet:

Martin Klein, Sohn der Eheleute Johann Klein und Christine geb. Beu,
geboren am 8. Oktober 1919, gefallen am 30. Januar 1943.
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Ich kannte über den Gesangverein Leni Klein von der Kiehre Pomp. Klein gibt es ja viele aber ich dachte einfach, versuchen kostet nichts. Also gefragt und.....Glück gehabt. Lenis verstorbener Mann war ein Bruder von Martin Klein, er war also ihr Schwager. Es gibt eben Zufälle.
Leni kennt auch noch eine Tochter von Martins Schwester, also ihre und seine Nichte: Anne Küpper aus Müllekoven. Eine Schwester Martins hat noch bis vor wenigen Jahren an der Kiehr gewohnt.
Nun erhielt ich freundlicherweise viele Informationen, die das Erstellen dieser Seite erst ermöglicht haben. Dafür danke ich beiden recht herzlich!
Die drei Briefe zu Martins Tod von den militärischen Dienststellen (links) sind der Anfang.


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Kindheit und Jugendzeit
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Sommer 1939: Martins Zeit beim Reichsarbeitsdienst
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Militärzeit etwa ab Winter 1939/40 oder Frühjahr 1940.

Die erste Frage war natürlich, zu welcher Einheit gehörte Martin, da auf der Ansichtskarte die Feldpostnummer angegeben war.
12087 D gehörte 1940 zum Infanterie-Regiment 45 (entstanden aus dem Inf.-Reg. Marienburg), I. Bataillon (I./IR45), 3. Kompanie. Am 15. Oktober 1942 umbenannt in Grenadier-Regiment 45.
(www.lexikon-der-wehrmacht.de)

Diese Einheit gehörte zur 21. Infanterie-Division. Im November 1939 wurde die Division in die Eifel in den Raum Bitburg verlegt und dann wieder zurück in den Raum Mayen. Im Frühjahr 1940 wurden ihr knapp 1000 Soldaten als Ersatz zugewiesen. Zu diesen gehörte wohl auch Martin Klein.

Ab dem 10. Mai 1940 nahm die Division am Frankreich"feldzug" teil, durchquerte Luxemburg und Belgien und stieß über Mezières und Charleville bis zur Aisne vor. Hier hatte die Division schwere Gefechte zu bestehen. In der zweiten "Feldzug"phase der "Schlacht um Frankreich", marschierte die Division kämpfend über Perthes, St. Menehould, Bar-le-Duc nach Südosten. Diese Militärbegriffe verschleiern - es war ein Überfall! Bereits im September 1940 verlegte die Division in ihren Heimatstandort Marienburg in Westpreussen (heute Malbork, Polen).
(www.lexikon-der-wehrmacht.de)

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Hier sind ein paar Bilder vermutlich aus 1940.

Krieg in Russland 1941-1943.

Ab dem 22. Juni 1941 nahm die Division am Überfall auf Rußland teil. Aus dem Raum Tilsit stieß die Division nach Litauen vor, ging bei Jakobstadt über die Düna und stieß über Ostrow und Porchow auf Dno vor. Hier drehte die Division auf den Ilmensee ein und kämpfte sich am Nordufer des Wolchow nach Norden vor. Schließlich stieß die Division auf Wolchowstroj vor. Im Dezember 1941 mußte die Division sich hinter den Wolchow bis nach Kirischi zurückziehen. Hier bildete die Division den einzigen deutschen Brückenkopf auf dem Ostufer des Flusses. Die Division verblieb das gesamte Jahr 1942 über in diesem Frontabschnitt, wobei sie schwere Verluste erlitt. 1943 nahm die Division an den Schlachten um die Ssinjawinohöhen südlich des Ladogasees teil.
(www.lexikon-der-wehrmacht.de)

Es ist keineswegs sicher, dass Martin all dies mitgemacht hat. Die Feldpostnummer seiner Einheit auf den Informationsbriefen von 1943 links ist allerdings 12087 C, welches das gleiche Bataillon wie auf der Ansichtskarte von 1940 war, allerdings die 2. Kompanie.

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Weinachtsurlaub 1942 - fünf Wochen vor seinem Tod
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Martins letzter und tödlicher Einsatz

Die Zweite Ladoga-Schlacht (auch Operation Iskra, deutsch „Funke“) war ein von Marschall Schukow geplantes militärisches Unternehmen der Leningrader und der Wolchow-Front der Roten Armee vom 12. bis zum 30. Januar 1943 mit dem Ziel, die Blockade Leningrads aufzuheben. Dies war ihnen nach dem Ende des deutschen Vormarsches Ende 1941 in der Schlacht am Wolchow Anfang 1942 und in der Ersten Ladoga-Schlacht (August – Oktober 1942) nicht gelungen.
Den sowjetischen Fronten unter der Führung der Generäle Leonid Goworow und Kirill Merezkow standen 21 Divisionen mit 302.800 Mann für das Unternehmen zur Verfügung. In schweren Kämpfen gegen die deutsche 18. Armee gelang es, den deutschen Belagerungsring zu durchbrechen und einen schmalen Korridor am Südufer des Ladogasees zu öffnen. Am 18. Januar wurde die Stadt Schlüsselburg von der Roten Armee zurückerobert. Am gleichen Tag trafen Einheiten der 67. Armee aus dem Westen und Truppen der 2. Stoßarmee aus dem Osten um 9:30 Uhr bei der Arbeitersiedlung Nr. 1 (*) aufeinander und durchbrachen damit die Leningrader Blockade. Auch die Arbeitersiedlung Nr. 5 (*) wurde besetzt. Die im Norden abgeschnittenen deutschen Truppen ließen ihre schwere Ausrüstung zurück und brachen unter Generalleutnant Hühner (von der 61. Infanterie-Division) nach Sinjawino durch. Bis zum 21. Januar versuchte die Rote Armee im Süden weiter in Richtung Sinjawino vorzustoßen, konnte aber nur noch die Siedlung Nr. 6 (*) (unmittelbar westlich von Sinjawino) erobern. Danach gab es keine Frontverschiebungen mehr, die Operation endete am 30. Januar. Bereits am 22. Januar begann die sowjetische Seite mit der Wiederherstellung der Bahnlinie nach Leningrad. (Text nach Wikipedia)

(*) Wikipedia sagt hier "Arbeitslager". Ich danke Pawel Abel aus St. Petersburg, der sich um das Museum in Molodtsova (das damalige Ssinjawino) kümmert, für den Hinweis, dass es sich um Siedlungen (mit Infrastruktur) für Saisonarbeiter im Torfabbau gehandelt hat und nicht um Arbeitslager in unserem heutigen Sinn. (Poselok = Siedlung, Dorf)

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Hier eine Übersichtskarte (dank an Google Earth) und die Karte des Gefechtsbereiches der 21. Division am 30. Januar 1943 (Kartenmaterial: Dank an WW II Photo-Maps)
1 Quadrat = 1 km x 1 km (1:25000). In dem rechten unteren 4 x 4 Quadrate großen Bereich kam Martin ums Leben. Vermutlich war er mit seinem Gren.-Regiment 45 in dem gelb eingekreisten Bereich an der Nahtstelle zur rechts davon kämpfenden 61. Infanterie-Division eingesetzt.

Die Verluste der 21. Division bei der 2. Ladogaschlacht in Ssinjawino betrugen am 30. Januar 1943:
6 Offiziere verwundet; 10 Unteroffiziere gefallen, 32 verwundet, 2 vermisst; 38 Mannschaftssoldaten gefallen, 163 verwundet und 25 vermisst - einer der Vermissten war Martin Klein.

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In dem Buch von Hasso G. Stachow "Tragödie an der Newa - Der Kampf um Leningrad 1941-1944", 2001 Herbig Verlag, München, fand ich das ober Bild und in W. Haupt, Leningrad Wolchow Kurland 1941-45", 1976 Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 3 (Dorheim) das untere. Ich denke, ein Kommentar ist überflüssig!

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Peter Klein starb im Jahr 1982 in Mondorf im Alter von 56 Jahren.

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Benutzte Literatur:
- W. Haupt, "Leningrad, Wolchow, Kurland, Bildbericht der Heeresgruppe Nord 1941-1945",
    Podzun-Pallas-Verlag, Friedberg 3 (Dorheim), 1976
- Hasso G. Stachow, "Tragödie an der Newa. Der Kampf um Leningrad 1941-1944",
     F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung, 3. Auflage, München 2001
- Christoph Freiherr von Allmayer-Beck, "Die Geschichte der 21. (ostpr./westpr.) Infanterie-Division",
     Schild-Verlag, München 1990.

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